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Agiles Arbeiten Stoppt das Buzzword Karussell, ich möchte aussteigen!

Agiles Arbeiten im Unternehmen
Lesedauer ca: 3 Minuten

Agiles Arbeiten gehört laut zahlreicher Prognosen zu einem der großen Trends 2018. (Ach schon wieder?) Revolution, Transformation, kein Stein bleibt auf dem anderen. Ein paar Gedanken dazu.

Wahrscheinlich kommst du gerade aus einem Führungskräftemeeting und hast einen Satz gehört wie: “Wir müssen in Zukunft agil arbeiten, die Googles und Startups dieser Welt machen das auch.” Eventuell warst du auch auf einem Seminar oder aber du arbeitest schon seit 20 Jahren so und fragst dich, was das jetzt soll. Was nun agil ist, warum Scrum, Kanban und Design Thinking nur  Teilaspekte sind und wie man es laut Regel und Theorie 100% richtig macht, dazu haben sich schon viel Berater, Gurus und Co. geäußert, ich verzichte daher darauf. Sehen wir uns das Thema mal in der Praxis an und versuchen herauszufinden warum es so oft nicht klappt.

“Hey, wir machen jetzt agiles Arbeiten, trag mal hier ein”

Leute, mal ehrlich: Das ist in etwa so konkret wie die digitale Transformation und dabei bleibt es dann meist auch. Agil zu arbeiten um Agil zu arbeiten? Wenn du es nicht schaffst, deinem Team richtig Bock darauf zu machen, dann lass es lieber sein. Meist werden dann nämlich Tools wie Jira, Trello oder Slack in den Raum geworfen und die Arbeitsweise bleibt genau gleich. Statt kleinen Papierzettelchen wird das Spiel nun per Software gespielt. Agil ist damit noch Null. Ähnliches gilt für Agiles HR, Agile Führung, Agiler Kundenkontakt usw. Die Reaktion und Anpassung an die Umwelt prägen uns schon lange. Mit einem neuen Buzzword ohne konkret zu werden ist da niemanden geholfen. Im Gegenteil, es erzeugt eine Abwehrhaltung bei Leuten, denen jährlich Begriffe wie Social, Collaboration, … an den Kopf geworfen werden.

“Wie siehts denn aus mit der Aufgabe von…”

Teammeeting und man bespricht, was die letzte Woche an Aufgaben erledigt wurde und was diese Woche zu tun ist? Alle Aufgaben, Tasks, Stories, Epics sind im Idealfall schon zentral vorhanden. Die Frage und das gesamte Meeting ist daher in dieser Form komplett überholt. Heute geht es eigentlich nur darum, Hürden aus dem Weg zu räumen, aus Erfahrungen zu lernen und die Arbeitslast im Team fair zu verteilen. In der Theorie passiert das von selbst. Doch was, wenn Teams sich nicht wie ein Ameisenhaufen selbst organiseren? Agil will gelernt werden. Der Prozess und die Methode selbst muss hinterfragt werden.

Agiles Arbeiten

Wer Post-its klebt, ist noch lange nicht agil.

“No no no no limit –  Ich hab da noch was”

Durch die technischen Hilfsmittel besteht relativ schnell die Gefahr, dass ein unendlich großer Backlog mit Ideen generiert wird, man sich schnell in Klein und Kleinstaufgaben verzettelt und die Gesamtvision aus den Augen verliert. Damit sind zwar ev. alle beschäftigt aber man ist eben doch am Ziel vorbei. Neben Limits an Aufgaben und Themen, die bearbeitet werden, braucht es also auch ein gemeinsames Verständnis davon, was eigentlich wichtig ist.

“Ja klar, frische Unternehmenskultur und so”

Agil bedeutet in vielfacher Hinsicht, neue Dinge auszuprobieren und auch mal an die Wand fahren zu lassen. Statt also Stunden über Konzepte und Strategien rund um agiles Arbeiten zu sprechen sollte man es einfach mal probieren und seinen Mitarbeitern die Angst nehmen, Kritik am aktuellen Prozess zu äußern, neue Wege zu gehen oder sich nach entsprechendem Review von nicht erfolgreichen Projekten zu trennen. Schon mal ein Marketing Projekt in einem Unternehmen gesehen, dass völlig in die Hose gegangen ist? Eben. Komisch oder?

“Auf die wehende Fahnen schreiben”

Angenommen alle Mitarbeiter rennen von heute auf morgen komplett selbstorganisiert los und erledigen Aufgaben selbst. Müsste dann nicht auch die Strategie des Unternehmens absolut agil sein. Könnte also ein Mitarbeiter mit seinem Team einen kompletten Kurswechsel einschlagen oder das Branding eines Unternehmens über den Haufen werfen. Ist die Idee einer Marketing Abteilung dann überhaupt noch zeitgemäß und gibt es eine Aufgabe wie Unternehmensführung dann noch? Wer beschreibt die Fahne oder wird diese mit allen gemeinsam beschrieben? … und wenn ja, welche Farbe hat sie dann.

Zusammenfassend mangelt es neben der Lust auf agiles Arbeiten (Kein Selbstzweck sondern Lust auf Freiraum, Mitbestimmung  und Verantwortung), oftmals an dem Willen, die eigene Arbeit abseits des fachlichen Inhalts zu besprechen. (“Ich werde von X blockiert / lass uns das mal anders probieren als bisher / das ist letzte Woche echt beschissen gelaufen”) Wöchentliche Meetings und Projektmanagement Methoden sind meist so eingefahren, weil man über Jahre zum “Verwalter und Kontrollinstanz” trainiert wurde statt proaktiv Visionär zu sein und unternehmerisch zu denken. Und dann ist da noch das Thema mit der Kultur: Nur wenn klar ist, was der Zweck eines Unternehmens ist, welchen Mehrwert es liefert und die gemeinsame Richtung eine Richtung ist, mit der sich alle Mitarbeiter identifizieren können, dann hat man die Chance, kombiniert mit einer offenen Fehlerkultur selbst etwas voranzubringen.

Ich bin gespannt, wie vielen Unternehmen das im Jahr 2018 gelingen wird, die Baustelle ist größer als man denken mag.
Legen wir also los …

Autor:

Roland Lindner, Digital Marketing Consultant aus Berlin, bloggt zu Online Marketing – SEO, Paid Media, Social, CRO, Marketing Automation, UX, Digital Sales und Fragen des modernen Lebens.

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